Anwälte - solche & solche

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 09. Oktober 2008

 Anwälte - solche & solche

Anwalt I. Vor einiger Zeit hatten wir ja - auf Empfehlung eines Bekannten - einen Anwalt hinzugezogen, der unsere Interessen in Bezug auf die finanziellen Verluste durch die Verzögerung des Baubeginns um vier Monate und die Nichtfertigstellung der Straße vetreten sollte. In der ersten Zeit lief die Zusammenarbeit auch ganz gut. Katrin war zu einem Gespräch vor Ort und wir hatten ihn dann auch beauftragt unsere Interessen durchzusetzen, womit für ihn natürlich ein Honorar anhand des Streitwertes und nicht nur für ein Beratungsgespräch fällig würde.

In Absprache hatten wir dem Ingenieurbüro nochmal eine letzte Frist gesetzt. Erwartungsgemäß haben die daruf nicht reagiert und nun sollte der Anwalt tätig werden, ein Schreiben aufsetzen und als unser Anwalt auch in Erscheinung treten. Nachdem sich der Anwalt nach zwei Woche immer noch nicht gerührt hatte, fragte Katrin nach, er entschuldigte sich und versprach das am kommenden Freitag zu erledigen. Das ist nun etwa vier Wochen her. Seitdem haben wir mehrere Mails an ihn, an das Sekretariat der Kanzlei und ein Fax geschickt: Reaktion gleich null.

Genervt haben wir nun eine letzte Mail geschrieben, dass wir unsere Unterlagen am kommenden Montag abholen und die Zusammenarbeit beenden.

Anwalt II. Der Anwalt, der uns als Eigentümergemeinschaft in Bezug auf den Straßenbau vertreten würde, scheint aber deutlich aktiver zu sein. Auch wenn es noch keinen Beschluss über die Beauftragung gibt, hat er sich mit dem Fall gleich mal vertraut gemacht, dem Ingenieurbüro eine Frist zum Fortführen der Arbeiten gesetzt und um eine Nachweis über die Gesellschaftsform (Bürogemeinschaft) gebeten. Schon diese kleine Aktionen haben dazu geführt, dass der Investor von sich aus(!!) bei Anwalt angerufen hat!

Kurz zusammengefasst: Er weiß ganz genau, dass er im Unrech ist und sehr schlechte Karten hat (hat ihm sein eigener Anwalt wohl auch schon mitgeteilt). Er hat im Gespräch durchblicken lassen, dass er gezielt versucht hat, uns immer mit Vorschlägen zu kommen, die für uns unannehmbar sind und in die Eigentümergemeinschaft früher oder später einen Keil treiben. Momentan fehlt ihm nach seiner Aussage das Geld, um die Arbeiten abzuschließen (40.000-60.000 Euro). Angesichts der vielen andere Projekte, die er aktuell vermarktet, hält sich mein Mitleid aber in engen Grenzen.

Gut zu wissen: Seine Ausflüchte, dass viele Eigentümer ja alle nicht bezahlen, sind rechtlich irrelevant: Jeder einzelne Eigentümer, der seinen (Teil-)betrag am Straßenbau gezahlt hat, hat Anspruch auf Erfüllung des Vertrages. Es steht ja auch nirgens die Bedingung, dass der Straßenbau von anderen Verträgen/Zahlungen abhängig ist.

Aber erfreulicherweise ist bei der Angelegenheit ja auch immer die Partnerin (geschäftlich und privat) des Investors im Boot und in der Verantwortung. Diese hat als Ex-Eistanz-Sternchen der DDR (Mitte der Siebziger) und heutige Trainerin bei einem renommierten Berliner Eissportclub, zumindest "in der Szene" auch einen Ruf zu verlieren. Und damit sich der Kreis schließt: Der besagte Anwalt (als Radrennsportler) und sie kennen sich aus ihren Leistungssport-Tagen als Mitglieder des selben Sportclubs. Er wollte sie evtl. auch mal ganz privat anrufen ... ;-). Wenn die Welt ein Dorf sein sollte, dann ist Berlin ein Bauernhof.

Jetzt hoffen wir nur, dass die Mehrheit der Eigentümer am kommenden Dienstag der Beauftragung des Anwalts zustimmt.

geschrieben am 09. Oktober 2008 von rainerS.punkt
Kategorie(n): _ Dies & Das _, Erschließung, Rechtsstreit


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