Lüften ohne Fenster

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 09. April 2007

 Lüften ohne Fenster

Heutzutage werden alle Häuser - egal ob "normaler" Neubau oder spezielles Energiesparhaus - komplett dicht gebaut. Ein Luftaustausch über Ritzen, undichte Fenster oder ähnliches findet nicht mehr statt. Das bedeutet für jeden Hausbesitzer aber mehr denn je: Regelmäßiges Lüften für einen Luftaustausch und ein Abführen der Luftfeuchtigkeit ist zwingend notwenig. Die Empfehlung der Hausbauer lautet: Morgens und abends 10-15 min bei offenem Fenster. Kipplüftung ist ja - gerade im Winter - energetisch eh katastrophal.

Eine unschöne Vorstellung für meine Frau, jeden Morgen erstmal die Fenster im Haus aufzureißen. Diese und andere Erwägungen und nicht zuletzt mein Job führten bei uns dann sehr zielsicher zu einem Energiesparhaus, das beim Wärmebedarf ca. 60% unter den gesetzlichen Anforderungen für Neubauten liegt. Die Zusatzinvestition liegt bei ca. 28.000 Euro, beinhaltet aber einige Extras, die wir ohnehin haben wollten (z. B. die Fußbodenheizung).

Teil dieses Energiesparpakets ist die Lüftungsanlage. Oder genauer: Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung und Bypass. Diese Anlage sorgt dafür, dass ein permanenter Luftaustauch stattfindet. Aus den Feuchträumen (Bäder und Küche) wird die Luft abgesaugt und nach außen abgeführt. Die Frischluft von außen wird in die Wohnräume eingeblasen. Die Feuchträume erhalten die frische Luft über die hausinterne Luftströmung.

 
Funktionsprinzip (© Vaillant)

Entscheidend dabei: Der abgeführten Luft wird vor dem Ausblasen die Wärme entzogen und über einen Wärmetauscher wird die kalte Zuluft vorgewärmt. So wird sichergestellt, dass die Wärmeverluste durch die zwingend erforderliche aber natürlich auch gewünschte Lüftung auf ein Minimum reduziert werden.

Natürlich verbraucht auch diese Anlage Energie: Strom. Die Lüfter dieser Anlagen arbeiten aber hocheffizient und verbrauchen - gemessen an der Leistungsfähigkeit - sehr wenig. In der Bilanz sieht es in dann etwa so aus, dass mit einer kWh Strom ca. drei kWh Wärme "gerettet" werden. Das funktioniert aber nur, wenn man im Winter die Fenster auch konsequent geschlossen hält!

Für den Sommer kann der Wärmetauscher über einen Bypass umgangen werden, sodass die Anlage im Sommer prinzipiell auch zum Abführen der Warmluft genutzt werden kann. Aber genausogut kann man im Sommer die Anlage natürlich auch komplett oder zeitweise abschalten und die Fenster ganz normal öffnen oder ankippen.

Tipp: Für solch eine Anlage gilt mehr als für andere Haustechnik: Der Einbau lässt sich sehr gut im Neubau realisieren. Die notwendigen Schächte in ein Bestandsgebäude zu integrieren, ist ein vergleichsweise hoher Aufwand. Jedem Neubauer würde ich persönlich den Einbau einer solchen Anlage empfehlen.

UPDATE 2011: Lesen Sie dazu auch Lüften ohne Fenster - Erfahrungsbericht.

geschrieben am 09. April 2007 von rainerS.punkt
Kategorie(n): Energieverbrauch, Haustechnik


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